Öffentliche Dienstleistungen in Großbritannien

In Großbritannien werden in den Bereichen lokaler, regionaler und sozialer Infrastruktur öffentliche Dienstleistungen erbracht. Von Regierungsseite gibt es in jüngster Zeit Bemühungen, den Umfang der öffentlichen Dienstleistungen besonders im sozialen Bereich zu verringern um Kosten einzusparen. Das Projekt "Big Society , not Big Government" steht für die staatlichen Bestrebungen, Aufgaben, die bisher durch öffentliche Dienstleistungen abgedeckt wurden, in die Verantwortlichkeit privater Institutionen zu überführen.

Im Rahmen dieser Planung wurde den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Großbritannien im November 2010 das " right to provide" zuerkannt. Übersetzt bedeutet das soviel wie " das Recht, Dienstleistungen zu erbringen", praktisch heißt es, dass die öffentlichen Bediensteten nun legitimiert sind, alle Arten von öffentlichen Dienstleistungen auch innerhalb von privaten Organisationen, beispielsweise Nachbarschaftshilfe-Vereinen oder den  "mutuals" genannten Gegenseitigkeitsgesellschaften, zu erbringen. Derartige verändernde, politisch motivierte Eingriffe in den Bereich der öffentlichen Dienstleistungen sind in Großbritannien möglich, da keine geschriebene Verfassung vorhanden ist. Damit gibt es keine dem deutschen Beamtenrecht vergleichbare, verfassungsmäßig verankerte Rechtsgrundlage für den Öffentlichen Dienst.

Die Überführung öffentlicher Dienstleistungen in Privat ist besonders im Sozialbereich, aber auch im Schulbereich zu beobachten. Durch Einführung der " freien Schule" wird Eltern und ehrenamtlichen Mitarbeitern die Möglichkeit eingeräumt, selbständig Schulen zu gründen und zu führen. Einzige Anforderung ist es, Lehrkräfte anzustellen, die nachweislich über die notwendige Qualifikation zum öffentlichen Schuldienst verfügen. Diesen freien Schulen wird eine öffentliche Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt. Die weiteren fortlaufenden Kosten müssen aus eigenen Mitteln erwirtschaftet werden.Als offizielle Begründung für derartige Maßnahmen geben Regierungskreise an, man wolle trotz fehlender öffentlicher Mittel das Niveau der öffentlichen Leistungen stabil halten.

Keinen Veränderungen oder Einschränkungen unterliegen bis jetzt die öffentlichen Dienstleistungen, die im Zusammenhang mit dem Gesundheitssystem erbracht werden. Das "National Health System" NHS gilt als eine der britischen Errungenschaften, deren Demontage zu politischer und sozialer Unruhe führen würde, die von der Regierung nicht gewünscht ist. Infrastrukturelle öffentliche Dienstleistungen aller Art werden dagegen konkret von Einsparungen und Streichungen bedroht.